PRAXAS

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Der Bund Montag, 2l. Oktober 2013

«Wir begegnen vielen, die sozial vereinsamt sind»


Alexander Frommherz hilft Menschen, die am Messiesyndrom leiden,wieder Ordnung in ihre Wohnung und in ihr Leben zu bringen.

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Alexander Frommherz, vor aufgestapeltem Mobiliar eines Kunden. Bild: Valérie Chételat

Von Walter Däpp 21.10.2013

Alexander Frommherz hilft, Ordnung zu schaffen: in bisweilen chaotisch überstellten und überfüllten Wohnungen - und auch im Leben der Menschen, die sie bewohnen. Es sind Menschen, die unter einer Erledigungsblockade, dem Messiesyndrom, leiden - Menschen, die Mühe haben, sich im Durcheinander der eigenen vier Wände noch zurechtzufinden. Mit Praxas bietet er auf sensible Art durchaus handfeste «soziale Dienstleistungen» an. Dafür erhält er nun den Sozialpreis 2013 des Berufsverbands Soziale Arbeit, Avenir Social Bern.

Frommherz, 44-jährig, Elektriker und Absolvent der Tourismusfachschule, war lange Zeit mit dem Velo in ganz Europa unterwegs. Nach seiner Rückkehr war er beim Schweizer Arbeiterhilfswerk tätig und begann 2008 auf privater Basis, «Dienstleistungen für Haus und Garten» anzubieten - sei es «zum Abwaschen oder zum Schneiden von Sträuchern, zum Reinigen von Wohnungen oder zum Zügeln ins Altersheim». Daraus ist Praxas entstanden. «Was wir tun», sagt er, «ist sehr befriedigend. Denn viele, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, sind schon froh, wenn man ihnen kleine Handreichungen abnimmt.»

«Viele kaschieren ihr Chaos jahrelang»

Die Fokussierung der Arbeit vor allem auch auf Menschen, die unter dem Messiesyndrom leiden, gehe auf die Anfrage der Ergotherapeutin Ruth Joss zurück, sagt Frommherz. Diese habe sich für eine ihrer Klientinnen bei ihnen nach einer Aufräumhilfe erkundigt. Daraufhin habe sich gezeigt, dass da eine grosse Nachfrage besteht: «Viele, die unter dem Messiesyndrom leiden, haben Schuld- und Schamgefühle. Sie kaschieren ihr Chaos oft jahrelang und getrauen sich nicht, Hilfe anzunehmen. So werden sie sozial isoliert, weil sie im Durcheinander der eigenen Wohnung niemanden mehr empfangen mögen.» Frommherz denkt da etwa an eine von Praxas betreute Frau, die vor 35 Jahren letztmals Besuch erhielt, weil sie sich schämte, jemandem die Wohnungstür zu öffnen.

«Heute begleiten wir mit unserem zehnköpfigen Team etwa fünfzig Menschen», sagt Frommherz, «dabei begegnen wir vielen sozial Vereinsamten, die Verluste ertragen und Brüche überwinden mussten.» Oft seien sie aus ihren Familien ausgeschlossen, würden von Angehörigen verurteilt und von einstigen Freunden und Bekannten gemieden. Oft werde ihnen die Wohnung gekündigt, meist lasteten Schulden auf ihnen, und oft seien sie mit Betreibungen konfrontiert. Es seien Menschen aus den verschiedensten Altersgruppen: «Die meisten sind im Pensionsalter, einige sind unter zwanzig, einige über neunzig.» Sie gehören allen sozialen Schichten an: «Wir betreuen auch tüchtige Berufstätige, die aber mit der Wohn- und Lebenssituation in ihren eigenen vier Wänden überfordert sind.»

«Wir bemühen uns, persönliche Kontakte herzustellen»

Manchmal gelinge es ihnen selber, Kontakt mit Praxas aufzunehmen, oft würden sie von Ärzten, Pflegenden oder Sozialarbeitenden vermittelt. «Was wir dann antreffen», sagt Frommherz, «ist unterschiedlich. Manchmal sind es Wohn- und Lebenssituationen, die vorerst nicht so schlimm anmuten, oft sind es aber Wohnungen, die mit Gerümpel überfüllt sind.»

Die Praxas-Mitarbeitenden sind erfahrene Berufsleute: Heilpädagoginnen und -pädagogen, Sozialarbeitende, Pflegefachfrauen, Ergotherapeutinnen, eine Agronomin, ein Innendekorateur, ein Elektromonteur und zwei Praktikantinnen. Sie sind nebenamtlich oder gar ehrenamtlich tätig. Und wenn sie herbeigerufen werden, um irgendwo Ordnung zu schaffen, nehmen sie die Anliegen und Bedürfnisse der Betroffenen ernst. Frommherz: «Wir bemühen uns, persönliche Kontakte herzustellen. Deshalb werden unsere Kundinnen und Kunden immer von den gleichen Mitarbeitenden besucht.» Oft erstrecke sich eine Aufräumhilfe über Monate oder Jahre. Da entstünden Kontakte, die weit über das eigentliche Messieproblem hinausgingen. «Für viele ist es gut, zu wissen, dass sie regelmässig Besuch von uns erhalten. Da sie vielleicht während Jahren niemanden mehr zu Hause empfangen haben, sind sie sehr einsam. Und sie schätzen es, wenn wir sie auch in administrativen Belangen unterstützen. Viele besuchen wir oft, später nur noch sporadisch - wenn es sich erfreulicherweise zeigt, dass sie nun selber zurechtkommen.»

(Der Bund)

(Erstellt: 21.10.2013, 08:27 Uhr)

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